Psychologie Hund… 100 % positiv verstärken – eine Alternative zu meiner Philosophie?

Impulsive Hunde – Anke Graf berichtet über ein besuchtes Seminar
Thema: “ Training mit impulsiven Hunden – Selbstkontrolle will gelernt sein”

Neugierig geworden durch ein Skript aus dem Studium der Tierpsychologie über Stress und Stressmanagment von Frau Dr. Berthold- Blaschke, ging ich auf die Suche und fand ein Seminar mit dem Titel: “ Training mit impulsiven Hunden – Selbstkontrolle will gelernt sein”. Die Dozentin dieses Seminar (Anja Fiedler) hat eine Ausbildung bei CumCan (der Hundeschule von Fr. Dr. Berthold-Blaschke) und das machte es sehr interessant.
Meine Motivation dieses Besuches war, den direkten Zusammenhang zwischen dem theoretischen Wissen und der praktischen Umsetzung dieses Skriptes zu erfahren, also einmal etwas über meinen „Tellerrand hinaus zu schauen“

Eigentlich ist in der Hundeausbildung schon alles gesagt, die Konditionierungsformen sind klar, dass Hunde eine klare Führung brauchen u.s.w…
Aus meiner Sicht hat sich daraus ein bestimmtes Thema heraus entwickelt, welches ich als äußerst beachtenswert ansehe.
So spielt Stress (besonders bei impulsiven Hunden) leider im Leben der meisten Familienhunde heutzutage eine große Rolle, da die wenigsten Hunde den Ansprüchen die an sie gestellt werden gerecht werden können.
Auch mein eigener Hund hat mit dem Leben unter Menschen Probleme, also war er ein guter “ Tester” für dieses Seminar.

Wie schon erwähnt, ist in der Hundeausbildung nichts wirklich neu, so dass der theoretische Teil sicher interessant, aber eben bekannt war.
Es gestaltete sich aber schon hier für einige Hunde als schwierig in einem begrenzten Raum mit Menschen und Artgenossen nicht in großen Stress zu geraten.
Nach einer Pause erfolgte dann der praktische Teil des Seminar. Leider war der Übungsort sehr ungünstig gewählt, so dass die meisten Hunde abermals sehr unruhig waren.
Da die Aufgabe war dem Hund keinen Auftrag zu geben und damit auch keine Korrektur, stand mein Hund noch mehr neben sich, „bitte sag mir doch was ich tun soll…“ schien er zu sagen!
Nun sollte ALLES was nicht UNERWÜNSCHT ist durch markieren (ein Wort oder klickern) und positiven Verstärker belohnt werden. UNERWÜNSCHTES VERHALTEN sollte grundsätzlich geduldet und ignoriert werden. Ziel dieser Übung war, dem Hund zu zeigen was erwünscht ist, damit er dieses Verhalten dann häufiger präsentiert. Meine Vorstellung dabei war: Ich bin irgendwo völlig fremd und niemand sagt mir was ich tun soll, sondern sagt mir nur was richtig ist. Nie aber was unerwünscht ist , ein ziemliches Ratespiel finde ich und für impulsive Hunde, die Selbstkontrolle lernen sollen sicher sehr anstrengend. Außerdem war die positive Verstärkung bei meinem Hund eine schwierige Sache, da er in hohem Stress nicht mehr in der Lage ist Futter oder andere Verstärker anzunehmen. Auch war es für mich sehr schwer der Bitte der Seminarleiterin nachzukommen mit meinem Hund doch lauter zu reden, obwohl er gelernt hat auf sehr leise Signale von mir zu achten und zu reagieren. Er konnte also abschalten und so Selbstkontrolle lernen!?? Das ist aus meiner Sicht völlig entgegen dem Zusammenleben unter Hunden. Warum soll der Mensch ständig auf sich aufmerksam machen? Weil der Hund dann nicht mehr aufpassen muss! Für mich eine verschobene Welt, wer achtet bitte auf wen?
Nun hieß es auf die Suche nach geeigneten positiven Verstärkern zu gehen, da ja Futter und Spielzeug bei meinem Hund (wie sicher bei den meisten sehr gestressten und oder ängstlichen Hunden der Fall) nicht zuverlässig in Frage kamen. Jetzt sollte alles was dem Hund Spaß macht und sich eventuell als Verstärker eignet markiert und belohnt werden: schnüffeln, rumschauen, buddeln, ja sogar anspringen kam da zu Auswahl. Für mich ein Rätsel: wann darf ein Hund anspringen? Wer mit Hunden arbeitet weiß, das es für sie kein manchmal gibt, außer ich könnte meinem Hund eine Grenze setzen. Das wurde dabei aber nicht erarbeitet, war aber aus meiner Sicht doch sicher das Ziel dieses Seminar: IMPULSKONTROLLE!!
Aber genau dafür gab es dann eine Übung: man sollte aus der Jackentasche 10 Leckerli einzeln in die offene Hand zählen. Für meinen Hund nichts was mit Selbstkontrolle zu tun haben könnte, wie sicher für viele Hunde die nicht verfressen sind. Nun wurde bei minimalster Beachtung des Menschen (in dessen Richtung drehen o. ä.) ein Leckerli auf den Boden geworfen und der Hund durfte sich SELBST belohnen. Mein Hund verstand die Welt nicht mehr, hatte ich ihm doch gelernt nichts vom Boden ohne Erlaubnis zu fressen. (es könnte sein Todesurteil sein z. B. Giftköder)
Ich kam an meine Grenzen. Für mich ist es enorm wichtig, einem Hund Regeln und Grenzsetzungen geben zu können. Wie soll er sich sonst in einer ihm fremden und bei meinem Hund auch beängstigenden Welt zurechtfinden? Nicht alles was ein Hund aus seiner Welt mitbringt passt in das Leben unter Menschen! ( Jagdverhalten, Flucht , Aggression…..) Er muss also lernen seine IMPULSE zu kontrollieren und sich am Menschen zu orientieren.
Ich brach das Seminar traurig und enttäuscht ab, denn mit Selbstkontrolle und Arbeit mit impulsiven Hunden hatte das aus meiner Sicht wenig zu tun!

Anke Graf